1926 – 1972
1926 – 1972
2-Generation1
Max Galli machte seine erste Erfahrung mit den Uhrmachern als kleiner Bub, denn in der Wohnung seines Vaters war auch die Uhrmacherwerkstatt untergebracht. In der Galli Familienchronik hat er seine erste „Uhrmachererfahrung“ wie folgt beschrieben:
„Um mir einen tiefen Einblick in die Berufsgeheimnisse zu geben, liess mich eines Tages ein Gehilfe an der Salmiakflasche riechen. Ich kam fast nicht mehr zu Atem und auf mein Geschrei, eilte unsere Hausangestellte Dora herbei. Sie sagte den Uhrmachern richtig Bescheid und ich hatte für einige Zeit genug von der Uhrmacherei.“
Nach der Institut Zeit in Fribourg begann Max Galli die Lehre als Uhrmacher im väterlichen Betrieb. Obwohl ihm nie ganz klar war, warum er diesen Beruf erlernen musste war dies für seinen Vater Paul Galli selbstverständlich, dass Max eine Lehre als Uhrmacher zu absolvieren hatte. Im Vergleich zur heutigen Zeit waren für die Verkauften Uhren kaum Ersatzteile erhältlich und so mussten für Reparaturen defekte Teile von Hand vor Ort angefertigt werden. Max Galli war begabt und lernte schnell, er konnte nicht nur Taschenuhren sondern auch Grossuhren reparieren, was zu einer seiner grossen Leidenschaften bekam. Bis zum ersten Weltkrieg 1914 brachten die Grossuhren einen hohen Teil des Geschäftsumsatzes. Galli war stark im Export tätig und so wurden Uhren in Holzkisten verpackt nach Amerika oder Australien versandt.
Den zweiten Teil der Lehrzeit verbachte Max Galli in Ponts-de Martel und er erlernte dort das Handwerk der hochwertigen Uhren. Wie damals üblich, gab es keinen Lohn, sondern die Eltern mussten für die Ausbildung bezahlen. CHF 20.00 pro Woche ohne Kost und Logis war damals für den Vater ein sehr hoher Betrag. Der Lehrmeister war sehr streng und eine 5-Tage Woche kannte man natürlich noch nicht. Trotzdem konnte Max Galli viel Gutes über diese Zeit berichten, denn während der Lehre verbrachte er auch die Feiertage mit der Familie seinen Chefs. Es gab Ausflüge nach Frankreich mit 15-gängigen Menus für damalige CHF 2.50! Als Abschlussarbeit fertigte Max Galli aus einem Rohwerk eine Herrentaschenuhr mit Minutenrepetition und kehrte am 15. März 1909 in den elterlichen Betrieb zurück um die Gehilfenzeit in England anzutreten.
1914 – 1918
Max Galli arbeitete seit 1911 wieder im väterlichen Betrieb und erlebte die Kriegsjahre in einer schwierigen Situation, denn über die Schweiz ergoss sich ein Zustrom von Spionen, Schiebern und Spekulanten. Nur eine Schweizer Firma konnte Waren ins Ausland exportieren. In Bern gab es die ausländische Kontrollstelle SSS (Société suisse de surveillance économique) die den Export überwachte. Als die deutsche Währung zerfiel wurde der legale Export immer kleiner und nur noch Schieber konnten die Ware nach Deutschland schmuggeln. Einmal wurde ein Posten Uhren gekauft bei dem eine grosse Waschzeine mit Mark nicht ausreichte um einen Gegenwert von CHF 10‘000 zu lösen. Mit dem Kriegsende kamen auch neue Sorgen, denn der Absatz von Uhren hörte mit einem Schlag auf. Jede Import-Export Firma hatte überhöhte Lager und musste diese wie die Firma Galli mit einem Verlust verkaufen.
Nach dem ersten Weltkrieg verdoppelten sich die Reparaturpreise. Eine Revision einer Armbanduhr kostete nicht mehr CHF 10, sondern CHF 18. Ein Uhrmacher verdiente damals pro Woche CHF 60, die Arbeitszeit betrug pro Woche 54 Stunden.
1926 – 1972
Am 29. April 1926 verstarb der Gründer Paul Galli in seiner Wohnung an einer Brustfell- und einer Hirnhautentzündung. Jetzt konnte Max Galli in zweiter Generation die Firma übernehmen. Dabei musste er sich auch um die Liegenschaft kümmern. Anfang 30-er Jahre wurde eine Zentralheizung eingebaut und auch an die Erstellung eines Liftes musste gedacht werden. Denn nur so konnten die oberen Stockwerke als Büro vermietet werden.
Am 20. Mai 1926 wurde die Firma Galli auf Max Galli übertragen und er musste sich in Zukunft auch um den Einkauf, das Uhrenatelier und um den kaufmännischen Teil kümmern. Er war froh, dass ihn sein Vater nach der Lehre auch noch in die Fortbildungsschule SKV schickte. Er führte bei der Firma Galli die kaufmännische Buchhaltung ein und konnte dank seinen Kenntnissen die Firma mit regelmässigen Raten an seine Mutter abzahlen. Auch in der Firma suchte er nach neuen Ideen. Jetzt wurden auch Automobiluhren repariert. Damals waren natürlich alle Uhren noch mechanisch und mussten regelmässig aufgezogen, bzw. revidiert werden.
Nur wenige Jahre betrieb Max Galli eine Filiale an der Bahnhofstrasse 78 in Zürich. Dieses Lokal konnte er von einem Uhrmacher übernehmen. Doch der erwartete Geschäftserfolg stellte sich nicht ein. Die Krisenjahre 1930 bis 1936 waren sehr schwierig. Der Umsatz sank jährlich und erreichte 1936 das Niveau eines Monatsumsatzes von 1930. So musste diese Filiale beim Ausbruch des zweiten Weltkrieges im Jahre 1939 wieder geschlossen werden.
Dank der Abwertung des Schweizer Frankens im Jahre 1936 konnte sich das Geschäft langsam erholen. Von April bis Mai 1939 fand die Landesausstellung in Zürich statt. Das Galli Geschäft wurde auf diesen Termin umgebaut. Die Schaufensterarbeiten wurden durch die Schreinerei Wieland ausgeführt. Ebenfalls ein Familienbetrieb aus dem Züricher Seefeld mit welchem die Firma Galli auch heute noch zusammenarbeitet. Max erkrankte während des Umbaus und war froh, dass seine Frau und auch seine älteste Tochter schon im Geschäft arbeiteten und den Umbau leiten konnten. Als Präsident des ZVSU (Zentral Verband Schweizer Uhrmacher) war Max Galli beauftragt das Uhrenpavillon der Schweizer Landessausstellung einzurichten. Er hatte bereits kurz zuvor das eigene Atelier im ersten Stock umgebaut und daher genügend Erfahrung eine moderne Werkstatt einzurichten. Bereits neun Jahre später wurde das Geschäft nochmals renoviert und auch äusserlich wurde die Fassade verändert. Im Jahre 1948 wurde gleichzeitig das erste Automobil angeschafft. Ein Studebaker Sedan Regal Delux.